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Betriebliche Altersvorsorge: Was der Arbeitgeber schuldet — und wofür er haftet

Dieser Beitrag richtet sich an Versicherungsmaklerinnen und -makler, die Arbeitgeber beraten. · Stand:

Jeder Arbeitnehmer hat nach § 1a BetrAVG Anspruch auf Entgeltumwandlung bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrenze. Der Arbeitgeber kann den Durchführungsweg bestimmen, aber nicht das Ob. Spart er dabei Sozialversicherungsbeiträge, schuldet er einen Pflichtzuschuss von 15 % des umgewandelten Entgelts. Und er trägt die Einstandspflicht nach § 1 Abs. 1 S. 3 BetrAVG: Er haftet für die zugesagte Leistung, auch wenn er sie über einen Versicherer abwickelt. Eine schlechte Produktwahl fällt damit auf ihn zurück — das ist das Kernargument jeder Arbeitgeberberatung.

Was diese Sparte besonders macht

Die bAV verbindet vier Rechtsgebiete: Versicherungs-, Arbeits-, Steuer- und Sozialversicherungsrecht. Das ist kein Nebensatz, sondern der Grund, warum hier mehr Fehler passieren als in jeder anderen Sparte des Firmengeschäfts.

Dazu kommt eine Besonderheit im Mandat: Es gibt zwei Kunden in einem. Versicherungsnehmer ist das Unternehmen — dort entsteht die Bindung. Versicherte sind die Mitarbeitenden — dort entsteht das Folgegeschäft.

Wer nur den Arbeitgeber bedient, verschenkt die Belegschaft. Wer nur die Belegschaft bedient, verliert den Zugang.

Die fünf Durchführungswege

  • Direktversicherung (§ 1b Abs. 2 BetrAVG) — in der Praxis der Schwerpunkt: steuerlich klar und bei Jobwechsel übertragbar.
  • Unterstützungskasse (§ 1b Abs. 4 BetrAVG) — der zweite Schwerpunkt, vor allem in rückgedeckter Form.
  • Direktzusage (§ 1 Abs. 1 S. 2 BetrAVG) — der Arbeitgeber sagt die Leistung selbst zu, ohne Versicherer dazwischen, und behält die Kontrolle über die Geldanlage. Entgeltumwandlung ist hier in unbegrenzter Höhe steuerfrei möglich. Der Preis: keine Übertragbarkeit, und das Risiko bleibt im Haus.
  • Pensionskasse (§ 1b Abs. 3 BetrAVG) — rückläufig.
  • Pensionsfonds (§ 1b Abs. 3 BetrAVG, § 236 VAG) — rückläufig.

Was der Arbeitgeber schuldet

  • Anspruch auf Entgeltumwandlung nach § 1a BetrAVG — bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrenze. Den Durchführungsweg bestimmt der Arbeitgeber, das Ob nicht.
  • Pflichtzuschuss von 15 % des umgewandelten Entgelts, sofern der Arbeitgeber dadurch Sozialversicherungsbeiträge spart.
  • Einstandspflicht nach § 1 Abs. 1 S. 3 BetrAVG — er haftet für die zugesagte Leistung, auch wenn ein Versicherer sie abwickelt.

Die Zusageart bestimmt dabei das Haftungsgewicht. Die beitragsorientierte Leistungszusage nach § 1 Abs. 2 Nr. 1 BetrAVG sieht keine Mindestleistung vor. Die Beitragszusage mit Mindestleistung nach § 1 Abs. 2 Nr. 2 BetrAVG garantiert mindestens die eingezahlten Beiträge — und trägt damit ein deutlich höheres Risiko für das Unternehmen.

Die steuerliche Systematik

In der Ansparphase gilt bei der Direktversicherung § 3 Nr. 63 EStG: Die ersten 4 % der Beitragsbemessungsgrenze sind steuer- und sozialversicherungsfrei. Die weiteren 4 % bis zur 8-Prozent-Grenze sind steuerfrei, aber nicht sozialversicherungsfrei.

In der Rentenphase sind Renten und Kapitalleistungen nach § 22 Nr. 5 S. 1 EStG voll steuerpflichtig — nachgelagerte Besteuerung. Das gehört ins Gespräch, sonst entsteht der Ärger dreißig Jahre später.

Bei pauschal versteuerten Altzusagen nach § 40b EStG a. F. besteht keine freie Wahl. Das ist bei jeder Bestandsübernahme zu klären, bevor irgendetwas umgestellt wird.

Beitragsbemessungsgrenze und Sozialversicherungssätze ändern sich jährlich. Wer mit den Werten des Vorjahres rechnet, liefert falsche Zusagen — die Systematik bleibt, die Zahlen nicht.

Wer Anspruch hat — und wen man vergisst

Zu berücksichtigen sind alle Arbeitnehmergruppen: Vollzeit, Teilzeit, geringfügig Beschäftigte, Auszubildende und Leiharbeitnehmer. Wer eine Gruppe übersieht, baut eine Ungleichbehandlung ein, die später teuer wird.

Für die Arbeitgeberberatung kommt Rechtsformkenntnis dazu — GmbH, AG, KGaA, OHG, KG, GbR —, weil Zusage und Haftung daran hängen.

Was im Gespräch mit der Belegschaft trägt

Der Einstieg ist die Rentenlücke: die Differenz zwischen letztem Nettoeinkommen und zu erwartender gesetzlicher Rente. Welches Rechenwerkzeug dabei zum Einsatz kommt, ist zweitrangig — entscheidend ist, dass der Mitarbeitende das Problem selbst sieht, statt es erklärt zu bekommen.

Woran sich eine gute bAV erkennen lässt: geringe Kosten, hoher Arbeitgeberzuschuss, Anlage in ETFs — und laufende Pflege des Vertrags. Der letzte Punkt ist der, an dem die meisten scheitern: Eine einmal eingerichtete bAV, die danach niemand mehr anfasst, verfehlt ihren Zweck.

Die Entgeltumwandlungsvereinbarung gehört schriftlich, danach folgt die Einrichtung im Unternehmen inklusive Lohnabrechnung und Arbeitgeberzuschuss.

Häufige Fragen

Muss ein Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge anbieten?
Er muss die Entgeltumwandlung ermöglichen. Nach § 1a BetrAVG kann jeder Arbeitnehmer verlangen, bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrenze umzuwandeln. Der Arbeitgeber bestimmt den Durchführungsweg, nicht das Ob.
Wie hoch ist der Pflichtzuschuss des Arbeitgebers?
15 % des umgewandelten Entgelts, sofern der Arbeitgeber durch die Umwandlung Sozialversicherungsbeiträge spart. Der Zuschuss muss in der Lohnabrechnung korrekt hinterlegt sein.
Haftet der Arbeitgeber, wenn der Versicherer nicht leistet?
Ja. Die Einstandspflicht nach § 1 Abs. 1 S. 3 BetrAVG bedeutet, dass der Arbeitgeber für die zugesagte Leistung einsteht — auch wenn er sie über einen Versicherer abwickelt. Eine schlechte Produktwahl fällt damit auf ihn zurück.
Ist die betriebliche Altersvorsorge in der Rente steuerfrei?
Nein. Renten und Kapitalleistungen sind nach § 22 Nr. 5 S. 1 EStG voll steuerpflichtig — die Besteuerung ist nachgelagert. Steuerfrei ist die Ansparphase, nicht die Auszahlung.
Haben auch Minijobber und Auszubildende Anspruch?
Ja. Zu berücksichtigen sind alle Arbeitnehmergruppen — Vollzeit, Teilzeit, geringfügig Beschäftigte, Auszubildende und Leiharbeitnehmer. Wer eine Gruppe übersieht, schafft eine Ungleichbehandlung.

Die sechs Haftungsfallen auf einer Seite.

Betriebshaftpflicht, D&O, Cyber, Betriebsunterbrechung, bAV und bKV — je die Falle, die Frage, die sie aufdeckt, und wann Du sie stellen musst. Ein Blatt, zum Ausdrucken und neben das Telefon legen.

Was dieser Beitrag bewusst offenlässt

Dieser Text bringt Dich bis zum Verständnis des Risikos. Für das Gespräch beim Kunden und die Platzierung fehlt der anwendungsnahe Teil — er liegt auf der Plattform:

  • Acht Fachtexte des bAV-Moduls: Durchführungswege, Versicherungsanlageprodukte, Arbeits-, Steuer- und Sozialversicherungsrecht
  • Arbeitgeberberatung und Arbeitnehmerberatung als getrennte Gesprächsstrecken samt Roll-out im Unternehmen
  • Produktauswahl und Empfehlungen — woran sich Kostenquote und Anlagequalität konkret ablesen lassen
  • Muster für die Beratungsdokumentation bAV
  • Der vollständige Ablaufplan vor Abschluss, inklusive Behandlung von Altzusagen nach § 40b EStG a. F.
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