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D&O-Versicherung: Warum Geschäftsführer mit dem Privatvermögen haften

Dieser Beitrag richtet sich an Versicherungsmaklerinnen und -makler, die Firmenkunden beraten. · Stand:

Eine D&O-Versicherung schützt Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte vor Schadenersatzansprüchen aus ihrer Leitungstätigkeit. Der Grund, warum sie kaum verzichtbar ist: Organe haften unbeschränkt mit ihrem gesamten Privatvermögen, bereits bei leichter Fahrlässigkeit — eine versäumte Frist genügt. Anders als beim normalen Arbeitnehmer greift keine Haftungserleichterung, und die Beweislast ist umgekehrt: Nicht der Kläger muss den Fehler belegen, sondern das Organ seine Sorgfalt. In 70 bis 80 Prozent der Fälle klagt dabei nicht ein Dritter, sondern das eigene Unternehmen.

Wann ist eine D&O-Versicherung Thema?

Sobald jemand ein Unternehmen leitet — unabhängig von der Rechtsform. Ursprünglich war die D&O für Aktiengesellschaften gedacht, heute ist sie für GmbH, Stiftung, Verein und Start-up gleichermaßen relevant.

Nach DIN 77235 zählt die Organhaftung zu den existenziellen Risiken. Ein Compliance-Management-System mindert sie, beseitigt sie aber nie. Die D&O ist das primäre Instrument des Risikotransfers.

95 % der Geschäftsführer kennen den tatsächlichen Umfang ihrer persönlichen Haftung nicht. 74 % glauben, die Stammeinlage schütze sie.

Warum Organe anders haften als Angestellte

Vier Punkte machen den Unterschied — und jeder einzelne davon überrascht die meisten Mandanten im Erstgespräch:

  • Keine Arbeitnehmererleichterung. Organe haften mit dem gesamten Privatvermögen, unbeschränkt, schon bei leichter Fahrlässigkeit.
  • Beweislastumkehr nach § 93 AktG und § 43 GmbHG. Das Organ muss seine Sorgfalt belegen, nicht der Kläger den Fehler.
  • Gesamtschuldnerische Haftung. Der Fehler des Finanzvorstands kann den Marketingvorstand treffen, wenn dieser seine Überwachungspflicht verletzt hat.
  • Lange Nachhaftung. Ansprüche noch Jahre nach dem Ausscheiden — in der Regel fünf Jahre bei der GmbH, zehn bei AG und Finanzdienstleistern.

Die Haftung stützt sich dabei nicht nur auf Organpflichten. Häufig kommt Deliktsrecht nach §§ 823 ff. BGB hinzu: Strafgesetze als Schutzgesetze lösen zivilrechtliche Ansprüche auch ohne Vertragsbeziehung aus.

Wer klagt eigentlich? Innenhaftung schlägt Außenhaftung

70 bis 80 Prozent der Fälle sind Innenhaftung: Das Unternehmen nimmt den eigenen Manager in Regress. Die verbleibenden 20 bis 30 Prozent Außenhaftung kommen von Gläubigern, Behörden oder dem Insolvenzverwalter — etwa bei nicht abgeführten Sozialversicherungsbeiträgen nach § 266a StGB oder Steuerschulden nach § 69 AO.

Daraus folgt etwas, das im Gespräch oft untergeht: Die D&O ist keine klassische Haftpflicht. Im Innenverhältnis deckt sie einen Eigenschaden der Firma und schützt deren Bilanz davor, dass der Regressschuldner ausfällt.

Der häufigste Einwand lautet: „Ich kenne meine Mitgesellschafter seit Jahren, die machen mich nicht haftbar.“ In der Insolvenz übernimmt aber ein Insolvenzverwalter — und der ist gesetzlich verpflichtet, jeden Cent für die Gläubiger einzutreiben. Persönliche Verhältnisse spielen dann keine Rolle mehr.

Was eine D&O-Police leistet

Versichert sind Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichts- und Beiräte, Prokuristen sowie entsandte Arbeitnehmer mit Mandaten in Tochtergesellschaften — ebenso Interim Manager und Datenschutzbeauftragte.

Der eigentliche Kern ist der passive Rechtsschutz. Die Business Judgment Rule nach § 93 Abs. 1 S. 2 AktG schützt das Organ, wenn es auf angemessener Informationsgrundlage zum Wohl der Gesellschaft gehandelt hat. Die D&O trägt die Kosten, diesen Nachweis vor Gericht überhaupt führen zu können — und genau daran scheitern Betroffene ohne Deckung.

Nicht versichert sind Vorsatz und Wissentlichkeit, eigennützige Bereicherung sowie Geldstrafen und Bußgelder, die in Deutschland ohnehin nicht versicherbar sind. Wichtig: Die Abwehrkosten solcher Verfahren sind es sehr wohl.

Drei Mechanismen, die man verstanden haben muss

  • Claims-Made-Prinzip. Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Inanspruchnahme, nicht der des Verstoßes.
  • Rückwärtsdeckung für unbekannte Verstöße vor Vertragsbeginn. Bekannte Pflichtverletzungen sind niemals rückwirkend versicherbar — auch dann nicht, wenn noch kein Anspruch erhoben wurde.
  • Nachmeldefrist. Zeitraum nach Vertragsende, oft zehn Jahre, in dem Ansprüche aus der aktiven Laufzeit noch gemeldet werden können.

Diese drei greifen ineinander. Wer sie einzeln betrachtet, übersieht die Lücken, die beim Versichererwechsel entstehen.

Wo Makler bei der D&O haften

Wie überall gilt: Obliegenheiten und Grenzen des Vertrags müssen mit dem Kunden wirklich geklärt und dokumentiert sein. Bei der D&O kommen drei spartenspezifische Fallen dazu:

  • Die Risikoerhebung ohne Organhaftung. Nach DIN 77235 ist das eine Lücke, die auf den Makler zurückfällt.
  • Der Versichererwechsel ohne Blick auf das retroaktive Datum. Die Lücke fällt erst im Schadenfall auf — dann ist sie nicht mehr zu schließen.
  • Die Freistellung im Anstellungsvertrag als Ersatz behandeln. Sie greift bei Insolvenz der Gesellschaft ins Leere, also genau dann, wenn das Risiko am höchsten ist.

Die D&O ist die einzige insolvenzfeste Absicherung des Organs. Eine vertragliche Freistellung ist es nicht.

Häufige Fragen

Braucht eine kleine GmbH überhaupt eine D&O-Versicherung?
Ja. Die Haftung des Geschäftsführers hängt nicht an der Unternehmensgröße, sondern an der Organstellung. Auch der Geschäftsführer einer Ein-Personen-GmbH haftet unbeschränkt mit seinem Privatvermögen — und gerade dort fehlt oft eine zweite Führungsebene, die Fehler abfängt.
Schützt die Stammeinlage den Geschäftsführer?
Nein. Die Stammeinlage begrenzt die Haftung der Gesellschaft gegenüber Gläubigern, nicht die persönliche Haftung des Geschäftsführers für Pflichtverletzungen. 74 Prozent der Geschäftsführer nehmen fälschlich das Gegenteil an.
Wer klagt in der Praxis gegen Geschäftsführer?
In 70 bis 80 Prozent der Fälle das eigene Unternehmen (Innenhaftung). Der Rest verteilt sich auf Gläubiger, Behörden und Insolvenzverwalter. In der Insolvenz ist der Verwalter gesetzlich verpflichtet, Ansprüche gegen das Organ zu verfolgen.
Was bedeutet Claims-Made bei der D&O?
Versicherungsschutz besteht, wenn der Anspruch während der Vertragslaufzeit erhoben wird — unabhängig davon, wann die Pflichtverletzung begangen wurde. Deshalb sind Rückwärtsdeckung und Nachmeldefrist keine Nebensache, sondern entscheiden über die Deckung.
Ersetzt eine Freistellungserklärung im Anstellungsvertrag die D&O?
Nein. Eine Freistellung durch die Gesellschaft greift ins Leere, sobald diese insolvent ist — also im wahrscheinlichsten Haftungsszenario. Die D&O ist die einzige insolvenzfeste Absicherung.

Die sechs Haftungsfallen auf einer Seite.

Betriebshaftpflicht, D&O, Cyber, Betriebsunterbrechung, bAV und bKV — je die Falle, die Frage, die sie aufdeckt, und wann Du sie stellen musst. Ein Blatt, zum Ausdrucken und neben das Telefon legen.

Was dieser Beitrag bewusst offenlässt

Dieser Text bringt Dich bis zum Verständnis des Risikos. Für das Gespräch beim Kunden und die Platzierung fehlt der anwendungsnahe Teil — er liegt auf der Plattform:

  • Welche Klauseln über den Schadenfall entscheiden — Final Decision Clause, Serienschaden, Insured vs. Insured, retroaktives Datum
  • Wie die Versicherungssumme ermittelt wird: Benchmark aus rund 2.000 Kundenentscheidungen nach Umsatzgröße
  • Die Entschädigungsgrenzen hinter der Versicherungssumme — warum eine knapp gewählte Hauptsumme unbemerkt auch die Nebendeckungen halbiert
  • Der Gesellschaftsvergleich im D&O-Markt mit Einordnung der Bedingungswerke
  • Der Ablaufplan vor Abschluss und die Gesprächsbausteine für das Erstgespräch
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